Das Flammhaus in Sterzing
Die Geschichte eines 500jährigen Gewerken-, Handels- und Wirtshauses
Der Bergbau bescherte Sterzing zwischen 1450 und 1520 eine goldene Ära. In dieser Zeit entstanden in einem regen gestalterischen Wetteifer jene religiösen und profanen Bauten, die das Stadtbild bis heute prägen. Besonders in der Neustadt gelten die schmalen Giebelhäuser mit ihren markanten Erkern und Lauben als Musterbeispiele spätgotischer Tiroler Städte.
Die Geschichte eines 500jährigen Gewerken-, Handels- und Wirtshauses
Der Bergbau bescherte Sterzing zwischen 1450 und 1520 eine goldene Ära. In dieser Zeit entstanden in einem regen gestalterischen Wetteifer jene religiösen und profanen Bauten, die das Stadtbild bis heute prägen. Besonders in der Neustadt gelten die schmalen Giebelhäuser mit ihren markanten Erkern und Lauben als Musterbeispiele spätgotischer Tiroler Städte.
Der Grundriss des historischen Stadtkerns von Sterzing ist klar strukturiert: Der markante Zwölferturm trennt die Altstadt von der Neustadt. Während sich die Gassen im Norden Richtung Brenner verengen, weitet sich die Stadt im Süden zur großzügigen Neustadt mit ihren charakteristischen Laubengängen. Aufgrund der begrenzten Baufläche zwischen Eisack, Sterzinger Moos und Rosskopf mussten die Bürger ihre Häuser auf engstem Raum errichten. Aus dieser Platznot heraus entwickelte sich ein charakteristischer Haustyp, der trotz schmaler Fassaden durch seine enorme Tiefe und Höhe beeindruckenden Raum bot. Die Patrizierhäuser der Neustadt folgen dabei einer klaren Gliederung: Das herrschaftliche Vorderhaus an der Straße diente als kombiniertes Arbeits- und Wohnquartier der Besitzer. Ein markanter Innenlichthof trennte es vom Hinterhaus, in dem sich Lagerräume und die Zimmer des Personals befanden. Den Abschluss in die Tiefe bildeten ein offener Wirtschaftshof sowie Nebengebäude, die meist mit einem kleinen Garten – dem „Gartl“ – direkt an die Stadtmauer grenzten.
Eines dieser Häuser ist das Flammhaus, welches auf eine über 500-jährige Geschichte als Gewerke-, Handels- und Wirtshaus zurückblickt und noch heute als eines der besterhaltenen Prachtbauten der Stadt gilt, da es den spätgotischen Charakter bis heute bewahren konnte. Besonders sehenswert ist der typische für Sterzing malerisch hohe Innenlichthof mit spätgotischen Galerien und Gratgewölben, der den Reichtum der einstigen Erbauer widerspiegelt, das Rundbogentor aus Ratschingser Marmor, die spätgotischen Balkendecken sowie seltene Seccofresken in den ehemaligen Gaststuben, die unter anderem einen Bergknappen darstellen.
Seinen Namen verdankt das Gebäude der Familie Flamm, die im 16. Jahrhundert Besitzer des Hauses war. Das markante Wappen mit den drei Flammen ziert noch heute das Portal. Ursprünglich als spätgotisches Bürgerhaus mit Kaufmannsladen konzipiert, wird in den Geschichtsbüchern das Gebäude als „Ladens und Weinausschank Gerechtigkeit“ angeführt. Dieser Ursprung verliert sich ab Mitte des 18. Jahrhunderts und in den Besitzbeschreibungen findet man nur mehr die Spezifizierung „Wirts Behausung zu den drei Flammen“.
Die umfassende Sanierung des Flammhauses in den Jahren 1994/1995 durch den Besitzer Wipptaler Bau AG war mehr als nur eine bauliche Instandsetzung – sie war ein Bekenntnis zu kultureller Nachhaltigkeit und lokaler Identität. Auch noch heute wird die Tradition des Hauses durch ein Wirtshaus, eine Weinschenke und eine Geschäftspassage im Erdgeschoß fortgesetzt, wobei die oberen Stockwerke als Wohnungen und Büroräume dienen. Man kann das Flammhaus als Symbol für einen verantwortungsbewussten Umgang mit unserem baukulturellen Erbe sehen – ein Ort, an dem Geschichte atmet und Zukunft Raum findet.
Quelle: Der Schlern - 69/1995 - Heft 11, Seite 633 – 666 / Das Flammhaus in Sterzing

